Advent ist mehr als das Warten auf den kommenden Herrn;

 

Advent ist die Frage, ob ich bereit bin, ihn zu empfangen.

 

 

Liebe Gemeindemitglieder,

die stade Zeit wird von vielen ersehnt und man hört selten so viele klagende Worte über die Unruhe unserer Zeit, wie in der Adventszeit. Da frag ich mich dann regelmäßig: Was heißt für uns stade Zeit?

 

In der Regel verstehen wir darunter Ruhe und Frieden, Lichterkränze und Tannenduft, Plätzchen und Glühwein, Bratapfel und Schokonikoläuse, womöglich Elche und Weihnachtsmann, Romantik und ein wenig Rührseligkeit, Schwärmen von der guten alten Zeit, die gar nicht so gut war.

 

Warten hat sicherlich etwas zu tun mit Stillhalten und Ruhe, mit Besinnung und In sich gehen, aber Warten auf den, der da kommt, heißt auch sich vorbereiten und das geschieht nie einfach so.

 

Die Vorbereitungszeit von Maria und Josef war mit Sicherheit alles andere als ruhig und besinnlich. Da war ein blutjunges Ding plötzlich schwanger, obwohl sie noch gar nicht in festen Händen war. Das war, das ist alles andere als lustig und schon gar nicht romantisch. Ein wesentlich älterer Mann nimmt sich ihrer an, damit sie mit dem Kind nicht alleine da steht. Und dann hieß es sich aufzumachen von Nazareth nach Betlehem, 160 Kilometer und die nicht im bequemen Wagen, sondern mit einem Esel, weil der Diktator des Landes sein Volk, d.h. die Männer des Landes zählen lassen will, denn wirkliche Melderegister gab es nicht. Deswegen musste sich nun dieser ältere Mann zu seinem Geburtsort aufmachen und das mit seiner hochschwangeren Frau. Prickelnd, lustig, besinnlich ist etwas anderes.

Vom Warten allein ist es nun wirklich nicht Weihnachten geworden. Weihnachten hatte und hat mit Aufbruch zu tun, innerlich und äußerlich! Weihnachten hat etwas zu tun mit dem realen Leben, das sich ergibt, während wir Menschen Pläne machen. Weihnachten hat etwas damit zu tun, dass zwei Menschen bereit waren ein Wagnis einzugehen und das ohne begeistert zu sein. Den wahren Grund für den schwierigen Weg werden sie nicht wirklich umris-sen haben. Jesus wäre auch in Nazareth aus dem Geschlechte Davids gewesen, weil der, der ihn an Vaterstatt angenommen hat, aus dem Geschlechte Davids war. Dazu war die Reise nicht nötig. Ich glaube viel eher, dass mit dieser Geschichte um die Geburt Jesu uns ganz klar gezeigt werden soll, worum es bei der Menschwerdung Gottes geht.

 

Nicht um Romantik und harmonische Tage, nicht um Gemütlichkeit und perfektes Timing, nicht um Glanz und Frohsinn, sondern darum, dass wir Menschen erkennen, dass Gott der ist, der zu uns ins Leben kommt; dass Gott der ist, der für Aufbruch sorgt, innerlich und äußerlich; dass Gott der ist, der mit uns weiter geht, egal wohin wir gehen. „Wort Gottes – hineingesprochen in mein Leben. Wort Gottes – hinein-geboren in mein Leben. Jeden Tag neu war, ist und wird es Weihnachten.“ (Karl-Heinz Lenzer).

 

Ich wünsche uns, dass etwas in uns auf-bricht in dieser Zeit des Advents, zu Beginn des neuen Kirchenjahres, damit wir getrost in unsere Zukunft gehen, in der Gott uns begleitet, auch wenn es uns nicht gut geht,

auch wenn es um uns stressig ist.

 

Ihre Pfrin.

Anne Salzbrenner