Regenbogen oder Sonnenbogen?

 

Vor gut einem Jahr, als wir noch gar nicht genau wussten, was alles noch auf uns zukommen sollte, prangte ein Regenbogen auf dem Titelbild unseres Lutherboten und darunter der Spruch „Nicht alles ist abgesagt“; ein Bild, das uns Mut machen wollte. Und wie wir heute wissen, hat uns Gott auch durch diese Zeit getragen. Der Regenbogen, als ein mut- und hoffnungsspendendes Symbol, fasziniert uns, wo immer wir ihn sehen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir den Regenbogen im christlich-jüdischen Kontext mit dem Zuspruch Gottes in Verbindung bringen. Als Noah nach der Sintflut die Arche verließ, gab Gott sein Versprechen, die Erde nie wieder durch Wassermassen zu vernichten und „als Zeichen setzte er seinen Bogen in die Wolken“ (1. Mose 9, 8-17). Interessanter-weise steht an dieser Stelle nicht “Regen“-bogen, sondern dass es Gottes Bogen ist. Wir haben ihm erst später den Namen Regenbogen gegeben. Aber warum? Die Gesellschaft für deutsche Sprache schreibt zum Regenbogen: „Keiner weiß genau, warum Regenbogen auf Deutsch Regen-bogen heißt. Zwar ist er ein Bogen, der bei Regen entsteht, sprachlich tritt aber das dafür so wichtige Licht im Deutschen nicht in Erscheinung.“ Demnach hätten wir ihn genauso gut Sonnenbogen oder Sonnenlichtbogen nennen können, denn beides, Sonne und Regen haben ihren Anteil dran.

 

Physikalisch gesehen ist der Regenbogen schnell beschrieben. Das für uns sichtbare Sonnenlicht wird an den Randflächen der einzelnen Regentropfen mehrfach umgelenkt bzw. reflektiert und dabei in seine Spektralfarben zerlegt. Und da die unterschiedlichen Wellenlängen des Lichts sich in unterschiedlichen Winkeln brechen, sehen wir die Farben im Bogen schön sauber getrennt. Ein einfaches Phänomen, das zu einem faszinierenden Spektakel am Himmel führt. Das Sonnenlicht verwandelt Millionen von gewöhnlichen Tropfen in einen wunderbar leuchtenden Bogen. Aber nur da, wo das Sonnenlicht ungehindert auf die einzelnen Tropfen fällt, kann auch der Bogen entstehen. Das ist für mich ein schönes Bild für die christliche Gemeinde. Da, wo das Licht Gottes in die Herzen der einzelnen Gemeindeglieder fällt, da fängt Gemeinde an zu strahlen.

Da wo unser Leben etwas von dem Licht Gottes widerspiegelt, da sieht die Welt etwas von dem Glanz Gottes durch uns. Stellen Sie sich vor, wir sitzen zusammen im Gottesdienst. Wir hören und sehen alle das gleiche, aber je-der wird von etwas anderem angesprochen, dem einen gehen die Liedtexte zu Herzen, ein anderer freut sich auf die biblische Lesung und der nächste wird durch die Predigt getröstet. Am Ende gehen alle mit einer anderen Erfahrung zurück in ihren Alltag, nehmen aber etwas mit von dem was Gott ihnen mitgegeben hat. So können unterschiedliche Facetten der Nähe Gottes in unserem Leben sichtbar werden. Ja, wir haben alle unsere ganz eigene Art zu hören, aber Gott hat für jeden von uns eine individuelle Möglichkeit uns anzusprechen.  Und wie bei einem Regenbogen, der vor dem dunklen Gewitterhimmel den Glanz der Sonne widerspiegelt, so können auch wir gerade in dunklen Zeiten ein leuchten-der Hinweis auf die Gegenwart Gottes in unserer Welt sein.

 

Mit den seit nunmehr über einem Jahr andauernden Einschränkungen durch die Pandemie mit Masken, Lockdown usw. empfinden viele diese Zeit als bedrückend und düster. Klare Perspektiven fehlen und man versucht, das sonst so einfache und alltägliche mit viel Aufwand zu organisieren. Wie sehr warten alle auf das sprich-wörtliche Licht am Ende des Tunnels. Doch verhalten wir uns da nicht ähnlich, wie wenn Regenwolken übers Land ziehen? Trüb der Himmel, feucht und unangenehm das Wetter – da verziehen wir uns am liebsten nach drinnen und klagen über das “schlechte“ Wetter. In diesen Momenten nehmen wir die Sonne nicht wahr, weil wir nicht auf sie achten. Wir sehen das Unangenehme und wollen davor die Augen verschließen und übersehen dabei das Gute was uns die ganze Zeit umgibt. So wie die Sonne auch an trüben Tagen allgegenwärtig da ist, so ist auch Gott jeden Tag bei uns und will uns mit seinem Licht erfreuen.

 

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passions- und Osterzeit und es würde mich freuen, wenn es uns in dieser schwierigen Zeit gelingen würde, zusammen als Gemeinde zu strahlen

wie ein Sonnenbogen.

 

Herzliche Grüße

Daniel Kalkus