(Um)Wege

 

Im vergangenen Sommer wanderte ich ein Stück des Frankenwegs durch die Fränkische Schweiz. Jeden Tag ging es ein bisschen weiter.

 

Der Frankenweg ist gut ausgeschildert und ein bisschen wie eine Schnitzeljagd für Erwachsene: Man läuft und hält nach dem nächsten Schild Ausschau. Und die Freude ist groß, wenn man es sieht, weil man dann weiß: Ich bin auf dem richtigen Weg. Man zweifelt, wenn man das Schild an Weggabelungen nicht entdeckt (oder es im Zuge von Baumaßnahmen abmontiert und neben dem Bauzaun auf den Boden gestellt wurde). Man muss dann erst ein Stück weiter gehen und stellt auf einmal glücklich fest: Da ist ein Schild. Ich bin hier richtig.

 

An einer Weggabelung blieb ich trotz mehrerer Schilder verwirrt stehen: Das eine Wanderschild (Wanderzeichen Blauer Strich) zeigte mir an, dass der Weg zu meinem Etappenziel geradeaus ging und das Ziel nur wenige Kilometer entfernt sei. Aber das Schild des Frankenwegs wies nach links. Ein Blick in die Karte machte deutlich, dass dieser Weg etwa doppelt so lang sein würde. Nach einigem Zögern ließ ich mich auf das Schild des Frankenwegs ein. Der Er-steller des Wegs musste sich ja wohl etwas dabei gedacht haben.

 

In den folgenden drei Stunden schwankte ich zwischen Unsicherheit (War ich hier wirklich auf dem richtigen Weg?), Erschöp-fung (Warum musste es hier eigentlich  ständig hoch und runter gehen?) und Staunen (Was es hier doch für wunderbare Felsformationen gab!). Ich wanderte lang-sam voran und stieß schließlich wieder auf das Wanderzeichen Blauer Strich. Ja, diese Strecke wäre kürzer (und wohl auch weniger anstrengend) gewesen. Aber sie hätte einfach nur eine langweilige Straße entlang geführt und mir wären viele schö-ne Ausblicke entgangen.

 

Auch auf unserem Lebensweg gibt es so manche Umwege. Nicht immer können wir freiwillig die Entscheidung dafür treffen. Oft führt uns das Leben einfach in eine bestimmte Richtung und wir müssen ihm folgen: Eine nicht bestandene Prüfung torpediert die eigene Lebensplanung. Ein Unfall oder eine Krankheit zwingen einen, die alte liebgewonnene Wohnung aufzu-geben und umzuziehen. Manchmal ist es auch so, dass wir selbst eine Entscheidung treffen können oder müssen: Welchen Weg soll ich gehen? Studium oder Aus-bildung? Engagement in der Gemeinde oder dem Verein oder doch lieber zuhause entspannen?

 

 

 

Wie gut ist es dann, wenn wir wissen, dass sich der Ersteller unseres Lebenswegs Ge-danken gemacht und für uns alles gut vor-bereitet hat. Gott hat einen Plan für unser Leben, darauf können wir vertrauen. Aber er lässt uns die Freiheit, selbst zu entschei-den, welchen Weg wir einschlagen wollen. Manchmal verstehen wir seine Wege nicht, weil uns andere Wege so viel leichter und kürzer erscheinen, oder wir sind unsicher, ob wir noch richtig gehen. Im Gebet dürfen wir dann zu ihm kommen und wir dürfen uns freuen, wenn er uns den richtigen Weg weist: durch sein Wort, durch einen Gesangbuchvers oder durch den Rat eines anderen Menschen.

 

Zu manchen Zeiten hadern wir auch mit den Wegen, die wir gehen müssen. Wir schimpfen auf die Schwierigkeiten, machen uns Sorgen, wie es weitergehen soll, oder bedauern verpasste Gelegenhei-ten. Aber auch hier können wir auf Gott vertrauen. Er hat sich auch bei diesem Weg etwas gedacht und vielleicht führt dieser zu einem Ausblick, einer Erkenntnis, einer Begegnung, zu dem bzw. der es sonst nie-mals gekommen wäre.

 

In den letzten beiden Jahren mussten wir alle Wege gehen, die wir uns so nicht ausgesucht hatten. Vieles wäre anders einfacher gewesen. Aber wenn wir zurück schauen, sehen wir vielleicht auch das eine oder andere, dem wir sonst nicht begegnet wären.

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie im Vertrauen auf Gottes Wegplanung Ihren Weg gehen können, so wie es auch im folgenden Gesangbuchlied (369, 7. Strophe) heißt:

 

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,

verricht das Deine nur getreu

und trau des Himmels reichem Segen, s

o wird er bei dir werden neu.

Denn welcher seine Zuversicht

auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

 

Ihre Cornelia Flach